Vorwort zur 64. Ausgabe von Stefan Dürr

Vorwort zur 64. Ausgabe von Stefan Dürr

09.07.2019 Aktuelles aus dem Unternehmen

Das Leben auf dem Land muss attraktiv werden

Vergleicht man Moskau mit Berlin, hat die russische Hauptstadt eindeutig die Nase vorn. Moskau ist fortschrittlich, modern und unschlagbar vielseitig. Größere regionale Ballungszentren, etwa Woronesch und Stuttgart, liegen gleich auf. In den ländlichen Gebieten dagegen fällt Russland weit hinter den deutschen Standards zurück.

Daher setzen selbst junge Leute, die dort aufgewachsen sind, alles daran, zunächst in die Kreisstadt, danach in Gebietshauptstadt und schließlich nach Moskau zu ziehen. Um die russischen Dörfer wieder mit Leben zu füllen und die junge Generation dorthin zurückholen zu können, muss noch einiges geschehen. In erster Linie muss es Arbeit geben. Und zwar nicht irgendwelche Jobs, sondern interessante, nicht schlechter, sondern vielleicht sogar besser als in den Städten bezahlte Arbeitsplätze. Das bedeutet, zwei arbeitsfreie Tage auch in der Tierzucht und natürlich eine attraktive Infrastruktur: Kindergärten und Schulen, Ärzte und Krankenhäuser, Freizeitangebote.

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Sind diese Voraussetzungen einmal geschaffen, bleiben viele junge Leute mit großer Wahrscheinlichkeit in ihrer Heimat oder kehren sogar aus den Städten dorthin zurück. Denn das Landleben bietet objektiv viele Vorteile. Kein Bolschoi-Theater und keine Shoppingmeilen, dafür aber schöne Natur, saubere Luft, Möglichkeiten, in den Wald zu gehen und zu angeln.
Ich empfinde besondere Zuneigung gegenüber Menschen vom Land. Sie haben gelernt, die Schwierigkeiten des Lebens zu meistern. Städter erinnern mich dagegen oft an Treibhauspflanzen. Ein kleiner Windhauch wird für sie oft zum Sturm. Sie haben elementare Fähigkeiten des Überlebens verloren. Landbewohner dagegen sind unverstellt, oft besonders begeisterungsfähig und in der Lage, Berge zu versetzen! Es lohnt sich, sie nur ein wenig zu unterstützen und ihnen auf die richtige Bahn zu verhelfen.
Ich bin sehr darüber erfreut, dass die russische Regierung dieses Problem erkannt hat und sich entschieden für die Entwicklung des ländlichen Raums einsetzt. Ich halte dieses Engagement für sehr wertvoll und unterstütze es. Unserem Unternehmen ist daran gelegen, dass junge Leute auf’s Land ziehen und hier bleiben, eine Arbeit finden, Familien gründen und ein gutes Leben führen. Wir beteiligen uns daher mit Regierungshilfe daran, Wohnungen für junge Fachkräfte und Kindergärten zu bauen, wir organisieren Freizeitangebote. Sehr viele junge Leute tauschen ihr Stadtleben gerne gegen einen Wohnsitz auf dem Land. Ich bin davon überzeugt, dass sich dieser Trend im Laufe der Zeit in ganz Russland durchsetzen wird. So entsteht das Fundament für einen starken Agrarsektor in Russland. Dafür müssen wir uns heute einsetzen. Ein großes Stück Arbeit liegt vor uns.

Stefan Dürr, Präsident der Unternehmensgruppe EkoNiva